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09.06.2019 Sonntag  43 Menschen von sinkendem Schiff gerettet

Kollision auf der Elbe. Bild von Daniel Beneke (Stader Tageblatt)

DLRG und Feuerwehr sofort vor Ort. Bild von Daniel Beneke (Stader Tageblatt)

"Kiek Ut" schleppt das havarierte Segelschiff in die Schwinge

Passagiere werden nach und nach von Bord geholt

Einsatz der Pumpen kann das Sinken nicht mehr verhindern

Zusammenarbeit mit der Feuerwehr wie immer tadellos

Sicherung des gesunkenen Seglers mit Winden

Ölsperre wird ausgebracht, um eventuelle Umweltschäden zu begrenzen

Rettungshubschrauber startet mit verletztem Passagier

Segelschiff kollidiert auf der Elbe mit Containerfrachter

Am gestrigen Sonnabend (08. Juni) kam es zu einem Großeinsatz auf der Elbe. Ein Segelschiff mit 43 Personen an Bord wurde von einem Containerfrachter gerammt. Bei der Kollision wurden acht Menschen auf dem Segler verletzt, darunter zwei Kinder. 

Die Motorrettungsboote „Kiek Ut“ und „Good Will“ befanden sich zusammen mit dem Boot „Henry Köpcke“ der Stader Feuerwehr durch Zufall schon auf der Elbe, da bereits um 13:18 ein Alarm mit der Meldung „Segler auf Stack“ ausgelöst wurde. Aus diesem Grund bekamen die drei Bootsbesatzungen die folgenschwere Kollision mit und eilten schnell zur Hilfe, da das Boot des ersten Einsatzes lediglich im Schlick lag und keinerlei Hilfeleistung benötigte, sondern einfach nur auf die Flut warten musste, um wieder freizukommen. Der Lotsenschoner hingegen mit 43 Menschen an Bord war beschädigt, Leck geschlagen und drohte mitten auf der Elbe zu sinken. Letztlich war es der Bootsführer des DLRG-Bootes „Kiek Ut“, welcher die Gefahrensituation sofort erkannte. Die 43 Menschen an Bord hätten zwar auf drei Einsatzboote evakuiert werden können, aber dann wäre es kaum mehr möglich gewesen, den Segler zu schleppen und er wäre mitten in der Elbe gesunken. Somit entschied der Bootsführer, den sinkenden Segler augenblicklich in Schlepp zu nehmen und zu versuchen, diesen samt Passagieren noch in die Schwingemündung zu ziehen. Während des Schleppvorgangs holte die Feuerwehr parallel mit der „Henry Köpcke“ zumindest die Verletzten von Bord. Auch ein Boot der DLRG Wedel vom anderen Elbufer war eingetroffen und half bei der Versorgung der Verletzten. 

Da der Schoner mit den Menschen an Bord zu sinken drohte, löste die Leitstelle MANV-Alarm (Massenunfall mit Verletzten) aus. Einsatzkräfte fast aller Rettungsgruppen des Landkreises rückten somit nach Stadersand aus, um DLRG und Feuerwehr zu unterstützen. Dem DLRG-Boot „Kiek Ut“ gelang es letztlich, den Segler bis in die Schwingemündung zu schleppen, wo die Passagiere nach und nach mit den zur Verfügung stehenden Booten von Bord geholt wurden. Als Erstes galt es, die Verletzten zu versorgen: Die beiden Kinder wurden in das „Mariahilf“-Krankenhaus im Süden Hamburgs gefahren, eine verletzte Person wurde mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 29“ nach Hamburg geflogen und die weiteren Verletzten im Stader Elbe-Klinikum versorgt. Darüber hinaus erlitt ein ehrenamtlicher Helfer der DLRG auf dem Boot „Good Will“ auf der Elbe einen Nasenbeinbruch und musste ebenfalls ärztlich versorgt werden. 

Nachdem alle 43 Passagiere von DLRG und Feuerwehr von Bord geholt wurden, stellte sich heraus, dass der Segler trotz der sofort eingesetzten Pumpen nicht mehr zu halten war. Das Leck als Folge der Kollision war zu groß, sodass der historische Lotsenschoner in der Schwinge versank. Den Einsatzkräften blieb nur, das Schiff per Seilwinden zu sichern, Bug und Heck für Folgearbeiten zu markieren, da die kommende Flut das Schiff überspülen würde, und letztlich auch eine Ölsperre zu legen, um mögliche Umweltschäden durch eventuell austretendes Öl zu begrenzen. 

Gegen 20:30 Uhr, die Einsatzkräfte waren alle bereits abgerückt, war der Eigner des Seglers mit dem Schiffversicherer vor Ort in Stadersand. Auf Bitte des Eigners rückte dann erneut ein Boot der DLRG aus und noch einmal die Ölsperre zurecht, weil sich bereits Treibgut den Weg aus der Sperre hinaus auf die Elbe gebahnt hatte.

Letztlich bleibt zu bilanzieren, dass die Besatzung sowie die Passagiere des Segelbootes unglaubliches Glück hatten, da sich bereits drei Einsatzboote von DLRG und Feuerwehr direkt vor Ort befanden. Hätte der Technische Leiter / Einsatz und „Kiek Ut“-Bootsführer nicht sofort das Schleppen angeordnet, wäre der Segler mitten auf der Elbe gesunken und die Passagiere inklusive verletzter Kinder hätten vor Ort nach und nach bei starker Strömung aus dem kalten Wasser geholt werden müssen. 

Dass auch eine Einsatzkraft auf dem „Good Will“ eine mittelschwere Verletzung davontrug, zeigt, dass solche Einsätze auch für die Ehrenamtlichen mit Gefahren verbunden sind. Darüber hinaus ist der „Good Will“ inzwischen über 30 Jahre alt, nicht mehr zeitgemäß ausgestattet und muss dringend ersetzt werden, da ein modernes Offshore-RIB seegängiger wäre, daher für die Besatzung mehr Sicherheit bei Einsatzfahrten böte und mit Sonar, Radar, Wärmebildkamera, Intercom und Kartenplotter auch den heutigen Einsatzanforderungen gerecht würde, denn diese haben sich in den letzten Jahren gewandelt.  

Kategorie(n)
WRD / KatS

Von: Markus Scheliga

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