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12.08.2019 Montag  Leichenbergung in Abbenfleth

Wie sich Einsatzlagen ändern können

Drei Wachgänger befanden sich auf der Rettungswache Stadersand, als um 18:42 Uhr der Melder losging. Laut Einsatzmeldung soll ein Schwimmer in der Nähe des Abbenflether Strandes vom Blitz getroffen worden sein. Der Bootsführer und die zwei jungen Wachgänger besetzten sogleich das Motorrettungsboot "Good Will" und legten in Richtung Abbenfleth ab. Unterwegs wurde besprochen, wie die zu erwartende Reanimation des Schwimmers erfolgen sollte und die Aufgaben dafür verteilt. Die Besatzung rechnete zu diesem Zeitpunkt damit, dass der Verunfallte an Bord gehievt und dass auf dem Boot mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung begonnen werden muss. 

Die Erleichterung für die Besatzung kam dann über die Rettungsleitstelle, die über Funk kundgab, dass es sich nicht um einen Menschen, sondern lediglich um eine ertrunkene Kuh handele. In diesem Fall stellte sich die Besatzung nun darauf ein, den Kadaver festzubinden und mit dem Boot einfach abzuschleppen. Vor Ort begann folglich die Suche nach "der Kuh" und ein Feuerwehrmann der FFW Stade, welcher sich zwecks Einweisung des DLRG-Bootes am Strand befand, verwies die Besatzung per Handzeichen an eine Stelle, an welcher er etwas gesichtet hatte. Als die DLRG-Rettungskräfte sich dem Ort näherten, stellte der Bootsführer fest, dass die Stelle wegen des zu flachen Wassers nicht per Boot erreichbar war. Somit stieg ein neunzehnjähriger Kamerad aus, um ca. 20 Meter durch das Wasser in Richtung "Kuh" zu waten. Als er sich dem vermeintlichen Kadaver näherte, nahm er kurzfristig an, es handele sich nicht um eine Kuh, sondern um ein Lamm. 

Erst als der Jungretter sich seine Handschuhe anzog und den ersten Griff tätigte, wurde klar, dass es sich hier um einen menschlichen Körper handelte. Nachdem der erste Schock überwunden war, entschied sich unsere Einsatzkraft, den Leichnam in Richtung Strand hinter sich herzuziehen. Der Notarzt stellte in einer ersten Sichtung fest, dass der Tote rund 24 Stunden im Wasser lag und dass der Leichnam schlimmste Verletzungen aufwies, die wahrscheinlich von einer Schiffsschraube verursacht wurden. 

Dieser Vorfall zeigt, dass unsere Retter teils nie wissen, was sie vor Ort tatsächlich erwartet. Die neunzehnjährige Einsatzkraft erklärte, dass sie sich darüber bewusst gewesen sei, dass so etwas irgendwann passieren werde und dass dieses lediglich eine Frage der Zeit gewesen sei. Innerhalb der DLRG gibt es daher stets Gesprächsangebote und gegebenenfalls psychologische Nachbetreuung der Einsatzkräfte, aber auch innerhalb der Familie habe unsere Einsatzkraft Gespräche gehabt, die ihm helfen, das Gesehene zu verarbeiten. Er komme daher im Nachgang sehr gut mit diesem Einsatz zurecht, so der junge Kamerad. Auch wenn der erste Schock tief saß. 

Kategorie(n)
WRD / KatS

Von: Markus Scheliga

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